Der Schloss-Schlüssel: Spartipps für Englands Herrenhäuser

Steinerne Zeugen einer Zeit, die wusste, dass Schönheit Dauer braucht

So nannte Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker herrschaftliche Anwesen. Um diese Schönheit auf Dauer zu erhalten, braucht es vor allem eins – viel Geld. Und das fließt aus den Taschen der fast 20 Millionen Besucher in die Kassen englischer Stately Homes.

Bedeutende Häuser wie Blenheim Palace verlangen 40 Pfund und mehr für den Besuch des Hauses samt Parkanlagen – zuzüglich Parkgebühren versteht sich! Aber es gibt Mittel und Wege, wie du Earl, Duke und Marquess günstiger besuchen kannst. Welche Spartipps für Englands Herrenhäuser es gibt, erfährst du hier.

Auf einen Blick: Spar-Optionen für Herrenhäuser

Option Ideal für... Preis (ca.)
Touring Pässe (National Trust /English Heritage) Kurzurlauber (9-16 Tage) ab £56 / £48
Mitgliedschaft NT/EH Langzeiturlauber/Wiederkehrer ab £96 / £82
Kulturerbe Bayern Sparfüchse (Jahreskarte) 24 €
Art Fund Museums-Fans & private Häuser ab £45 (U30)
Green Travel Anreise mit Bus & Bahn bis zu 50% Rabatt

Fassade von Stowe House
Prachtvoller Landsitz mit prachtvollem Landschaftspark: Stowe House

Mitgliedschaft bei den großen Playern National Trust und English Heritage

Die Mitgliedschaft bei einer der beiden großen Denkmalpflege-Organisationen ist der Klassiker für Fans englischer (sowie walisischer und nordirischer) Adelssitze. Mit ihr unterstützt du ganz direkt den Erhalt örtlichen Natur- und Kulturerbes und genießt freien Eintritt zu hunderten Objekten.

Blick über den Rasen auf Stowe House
2.000 Hektar Parklandschaft - Stowe House
Crocket-Spiel im Park von Nunnington Hall
Eingelocht. Im Park von Nunnington Hall

Der National Trust konzentriert sich auf das wohnliche Erbe und die Natur – also prachtvoll ausgestattete Herrenhäuser in England, weitläufige Gärten sowie den Schutz von Küsten und Landschaften. Eine Einzelmitgliedschaft bekommst du (Stand 2026) für 96 Pfund, die Joint Membership für 170.

English Heritage legt den Fokus stärker auf das historisch-monumentale Erbe und betreut vor allem Burgen, Ruinen, Abteien sowie bedeutende archäologische Stätten. Die Kosten liegen hier bei 82 Pfund für eine Person und 144 für ein Paar.

Achtung: Beim Trust ist das Parken standardmäßig inkludiert, bei English Heritage nur an Standorten, die der Organisation gehören.

Voliere im Park von Waddesdon Manor
Voliere im Park von Waddesdon Manor

Highlights unter den ca. 500 Anlagen des National Trusts sind zum Beispiel Stourhead (Wiltshire) mit einem der weltweit bedeutendsten Landschaftsgärten, das elisabethanische Juwel Montacute House (Somerset) oder Waddesdon Manor (Buckinghamshire) mit der Sammlung der Familie Rothschild – einer der bedeutendsten englischen All-Round-Kollektionen des 19. Jahrhunderts.

Zum fast ebenso umfangreichen Angebot von English Heritage gehören Monumente wie die prähistorischen Steinkreise von Stonehenge (Wiltshire), das riesige Dover Castle (Kent) direkt an den Kreidefelsen oder Osborne House auf der Isle of Wight. Das ehemalige Feriendomizil von Queen Victoria und Prinz Albert, das einen privaten Einblick in das Leben der Königsfamilie bietet.

Ruinen von Whitby Abbey
Zuständig für Ruinen: English Heritage (hier: Whitby Abbey)

Die Urlaubs-Alternative: Touring Pässe

Wenn du nur für ein oder zwei Wochen in England bist und keinen zweiten Aufenthalt innerhalb eines Jahres planst, lohnt sich die Jahresmitgliedschaft nicht. Hier kommen die speziellen Pässe für ausländische Gäste ins Spiel, die sich meist schon ab dem dritten Besuch rechnen:

  • English Heritage Overseas Visitor Pass: 9 Tage (ca. 56 Pfund) oder 16 Tage (ca. 66 Pfund).
  • National Trust Explorer Pass: 4, 8 oder 14 Tage (z. B. 8 Tage für ca. 48 Pfund).

Du siehst – je nachdem, was du vorhast, bieten die verschiedenen Angebote der großen Organisationen dir schon einigen Spielraum, dein Budget zu schonen. Doch es gibt noch mehr Spartipps…

Geheimtipp: Sparen mit Kulturerbe Bayern

Eigentlich befasst sich der Verein „Kulturerbe Bayern“ – wer hätte es gedacht – mit erhaltenswerten Bauten im Freistaat zwischen Main und Alpen. Doch da er der International National Trusts Organisation (INTO) angehört, erhältst du als Mitglied auch freien Eintritt zu den Objekten des National Trust in England. Und das für nur 24 Euro (Einzelperson) bzw. 36 Euro (Familie) Jahresbeitrag. Da legst di nieder!

Wichtig: Nimm das englischsprachige Informationsschreiben von Kulturerbe Bayern mit, das du zur Begrüßung per Post erhältst. Das Personal vor Ort kennt die Verbindung oft nicht und wird so schnell und unkompliziert ins Bild gesetzt.

Elephant musical automaton in Waddesdon Manor
Unermessliche Kunstschätze in ...
Innenraum von Waddesdon Manor
... Waddesdon Manor.

Was du bei dieser Option bedenken solltest: Die Mitgliedschaft bei “Kulturerbe Bayern” ist preislich unschlagbar, klar. Dein Beitrag fließt hier jedoch logischerweise in bayerische Projekte. Als Mitglied einer der englischen Organisationen steckst du dein Geld direkt in den Erhalt der von dir besuchten Orte. Außerdem ist das Parken an den englischen Standorten nicht inkludiert. Da Parkgebühren vielfach zwischen 5 und 10 Pfund liegen, lohnt sich dieser Hack vor allem für Reisende, die ohne Auto unterwegs sind und vor allem Häuser des National Trust besuchen – eine bedenkenswerte Idee.

Green Travel - mit den Öffis zum Herrenhaus

Mehr und mehr Anwesen fördern eine Anreise mit Bus, Bahn oder Fahrrad zu den Attraktionen. Das schont die Umwelt, entlastet die Anfahrtswege und ist für dich eine weitere entspannte Möglichkeit, bares Geld zu sparen.

Blenheim Palace
Winston Churchills Geburtsort ...
Im Park von Blenheim Palace
... Blenheim Palace.

Informiere dich im Vorwege auf den Seiten der jeweiligen Orte über die verschiedenen Möglichkeiten. Hier findest du auch die besten Busverbindungen zu den Sehenswürdigkeiten. Oft bietet sich auch eine Wanderung durch die umliegenden Landschaften an, die einen Besuch noch intensiver und zu einem besonderen Ganztageserlebnis machen.

  • Generelle Rabatte: Meist sparst du 20 % bis 25 % auf den Eintrittspreis.
  • Manchmal gibt es statt eines Rabatts kostenlose Audio-Guides (z. B. in Chatsworth House) oder einen Gratis-Tee (z. B. in Castle Howard).
  • Blenheim Palace: Mit dem Code GREEN20 sparst du beim Online-Buchen 20 % des Eintrittspreises.
  • Harewood House: Hier gibt es für „grüne“ Besucher satte 50 % Rabatt.

Als “Beweise” zeigst du vor Ort einfach dein Bus- oder Bahnticket oder – bei Radlern – deinen Helm oder die getrackte Strecke auf deinem Smartphone vor.

Zusatz-Tipp: Wenn du mit dem Zug (National Rail) anreist, schau auf daysoutguide.co.uk vorbei. Mit einer gültigen Fahrkarte und einem Voucher erhältst du bei manchen Häusern freien Eintritt für die zweite Person (2-for-1). Das gilt besonders häufig für Standorte in Stadtnähe wie etwa Hampton Court Palace.

Für Kunstkenner: Der Art Fund (National Art Pass)

Last but not least gibt es Häuser, die weder zum National Trust noch zu English Heritage gehören. Diese meist weiterhin komplett privat geführten Stätten beherbergen häufig weltberühmte Sammlungen. Hier ist der National Art Pass (ca. 75 bis 85 Pfund pro Jahr) dein Joker! Er bietet dir oft 50 % Rabatt auf den Eintritt bei den privaten Partnern.

Mit dem Art Fund sparst du unter anderem hier:

  • Chatsworth House (Derbyshire): Sicher dir 50 % Rabatt auf den Sitz der Herzöge von Devonshire.
  • Castle Howard (North Yorkshire): Ebenfalls 50 % Ersparnis auf Haus und Gärten.
  • Kensington Palace (London): Die Hälfte Rabatt auf die State Apartments.
  • Geheimtipps: Freier Eintritt im Chiswick House (London) oder 50 % im Jane Austen’s House.
Chatsworth House
Juwel im Peak District: Chatsworth House

Fazit: Welche Strategie passt zu deiner Reise?

Die Wahl des richtigen Spar-Modells hängt – du hast es gemerkt – ganz vom Fokus deiner Reise und deinen individuellen Zielen ab. Wenn du planst, viele verschiedene Orte innerhalb eines kurzen Zeitfensters zu besuchen, sind die Touring Pässe (Explorer Pass oder Overseas Pass) oft die beste und stressfreieste Lösung. Sie amortisieren sich schnell und bieten das volle Paket inklusive Parken.

Für Budget-Reisende, die ohne Auto unterwegs sind und sich auf die Objekte des National Trust konzentrieren, bleibt die Mitgliedschaft über Kulturerbe Bayern der preisliche Favorit – auch wenn man hier an der Kasse gelegentlich das erklärende Schreiben zücken muss und nicht zum Erhalt der Attraktionen vor Ort beiträgt. Suchst du hingegen gezielt die großen privaten Kunstsammlungen abseits der Verbände, ist der Art Fund unersetzlich.

Egal für welchen Weg du dich entscheidest oder sogar verschiedene Optionen miteinander kombinierst: Ein Blick auf die jeweilige Webseite vor der Abfahrt lohnt immer, da viele Häuser für Vorab-Onlinebuchungen zusätzliche kleine Rabatte gewähren oder feste Zeitfenster verlangen.

Übrigens: National Trust und English Heritage kümmern sich nicht nur um das Natur- und Kulturerbe – sie sind auch Vermieter. Du hast die Wahl zwischen unzähligen Cottages und Wohnungen in einmaligen Lagen und Häusern. Als Mitglied sparst du hier zwar nicht – aber der einzigartige Charme ist es mehr als wert! So wie zum Beispiel hier – im Boatman's Loft in der Old Coastguard Station von Robin Hood's Bay. Hier betreibt der National Trust ein Infocenter und eine geräumige Ferienwohnung, die dir nicht nur Komfort, sondern auch solche Blicke bietet:

Felsenwatt vor Robin Hood's Bay
Robin Hood's Bay
Die Nachbarn – das The Bay Hotel
Blick auf die Coastguard Station in Robin Hood's Bay
Ganz in Weiß – die Coastguard Station.

Häufige Fragen zu den Spartipps

Gilt die bayerische Schlösserkarte wirklich in England?
Ja, aber nur für Objekte des National Trust (über den INTO-Verbund). Für English Heritage oder private Häuser wie Blenheim Palace gilt sie nicht.

Muss ich die Pässe vorab online kaufen?
Die Touring Pässe können oft direkt vor Ort gekauft werden. Der "Bayern-Trick" erfordert eine bestehende Mitgliedschaft bei Kulturerbe Bayern.

Lohnt sich die Mitgliedschaft auch für nur 3 Besuche?
Meistens ja. Da Einzeleintritte oft £20-£40 kosten, haben sich Pässe oder die Bayern-Option oft schon nach dem zweiten oder dritten Herrenhaus amortisiert.

Was ist der Unterschied zwischen National Trust und English Heritage?
Grob gesagt: Der Trust hat die prächtigen, möblierten Wohngebäude und Gärten; English Heritage betreut eher Burgen, Ruinen und Monumente.

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